Drei Fragen an Peter Keglovic

Peter Keglovic

Wir haben mit Peter Keglovic darüber gesprochen, welche Entwicklungen es bei der tiefen Geothermie gibt und was Wien Energie in diesem Bereich in Zukunft plant.

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Peter Keglovic ist seit 2014 bei der Wien Energie und dort seit 2016 für die Nutzbarmachung der Tiefengeothermie zuständig. Dort ist seine Hauptaufgabe die Entwicklung und Realisierung von Geothermie-Anlagen voranzutreiben. Somit ist Peter einer unserer wichtigsten Mitarbeiter*innen bei unseren Vorhaben im Bereich Geothermie und somit für die Dekarbonisierung der gesamten Wiener Fernwärmeversorgung. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie wir die Wärme aus der Tiefe für die Versorgung einer Millionenstadt nutzen können.

Warum ist die tiefe Geothermie für die Dekarbonisierung Wiens so wichtig?

Die Diskussion um die Energiewende ist häufig auf die Stromwende fokussiert und übersieht dabei, dass die Wärmewende möglicherweise eine noch größere Herausforderung ist. Gerade für Wien, wo die Fernwärme noch zu einem großen Teil von teurem Gas abhängt, gibt es keine Alternative zur Tiefengeothermie. Diese nutzt die Wärme aus dem Erdinneren, welche noch von der Entstehung der Erde übrig ist sowie durch natürliche radioaktive Zerfallsprozesse im Erdmantel entsteht. Das Wiener Becken hat glücklicherweise besonders gute Herausforderungen, welche wir in den letzten Jahren im Zuge des Forschungsprojekts „GeoTief Wien“ gründlich untersucht haben. Unter Wien gibt es eine, in etwa 3000m Tiefe gelegene, warme und wasserdurchlässige Gesteinsschicht, welche das Aderklaa Konglomerat genannt wird. Dieses Thermalwasservorkommen werden wir nutzen, indem wir über eine Förderbohrung das heiße Wasser zu Tage fördern, die Wärme über Wärmetauscher in der Geothermie-Anlage entziehen und anschließend das abgekühlte Wasser über eine Injektionsbohrung wieder in die Tiefe zurückführen. So entsteht ein regenerativer Kreislauf der unsere Anlage über Jahrzehnte mit Wärme versorgen kann.

Die Vorteil der Tiefengeothermie sind unter anderem, dass sie witterungsunabhängig ist und rund um die Uhr zur Verfügung steht. Die Kombination von Geothermie und Wärmepumpe erhöht darüber hinaus die Effizienz der Anlage.

Was ist deeep?

Die deeep Tiefengeothermie GmbH ist ein 2023 gegründetes Joint Venture von Wien Energie und der OMV, bei dem beide Unternehmen ihre Stärken einbringen, um das Potential der Geothermie im Wiener Raum nutzbar zu machen. Die OMV bringt ihre jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Geologie & Geophysik sowie Bohr- und Fördertechnik ein, während die Wien Energie für die Planung und Errichtung der oberirdischen Anlagen und die Einbindung ins Fernwärmenetz verantwortlich ist. Vereinfacht gesagt: Die OMV erledigt alles was unter der Oberfläche passiert, während wir uns um alles darüber kümmern. Die Zusammenarbeit gestaltet sich seit der Gründung letztes Jahr hervorragend und derzeit befindet sich alles im Zeitplan.

Wie schaut der weitere Zeitplan bei der Umsetzung aus?

Wir stehen bei der Umsetzung unserer Pläne noch am Anfang eines ambitionierten langfristigen Ausbauprogramms. Dieses Jahr haben wir bereits mit der Planung, Genehmigung und Bohrplatzerrichtung unserer ersten Geothermie-Anlage in der Seestadt Aspern begonnen, spätestens Anfang 2025 wird es mit den Bohrungen losgehen, die Fördertests sind für Mitte 2025 geplant. Diese erste Anlage, soll eine thermische Leistung von ca. 20 Megawatt haben und 2028 in Betrieb gehen. Wenn sie einmal läuft, wird die Anlage beginnen in das Fernwärmenetz von Donaustadt einzuspeisen und so tausenden Haushalten für Jahrzehnte klimaschonende Wärme liefern und das zu stabilen Preisen.

Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt bilden die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung des Ausbauprogramms, mit dem Ziel 200 MW thermisch verteilt auf mehrere Anlagenstandorte bis 2040 zu errichten.

Es handelt es hierbei um einen äußerst sportlichen Zeitplan, weshalb es wichtig wäre, dass die regulative Rahmenbedingungen für die Geothermie in Österreich „modernisiert“ werden, um einerseits die Bürokratie zu optimieren und rechtliche Unklarheiten beim Berg- und Wasserrecht zu reduzieren. Wir haben mit den günstigen geologischen Voraussetzungen im Wiener Becken ein großes Glück, allerdings brauchen wir gute Rahmenbedingungen, um sie für die Tiefengeothermie bestmöglich - und so schnell wie möglich - zu nutzen.

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