Gastbeitrag: Nachhaltigkeit bei Bestattung und Friedhöfen Wien

Florian Keusch
Julia Stering

Nachhaltig bis zum Schluss: Mit dem lebenden Sarg der Bestattung Wien, der aus Pilzen besteht, wird eine neue Art der Naturbestattung ermöglicht. Neben einem neuen Naturareal sorgt seit Frühling auch ein Bürger*innensolarkraftwerk am Zentralfriedhof für gutes Klima.

Sarg aus Pilzmaterialien der Bestattung Wien
Pilzsarg_Loop_Biotech
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"Lebender" Sarg aus Pilzen

Zurück in den Kreislauf der Natur: Naturbestattungen sind bisher nur in einer Urne möglich. Mit dem neuen „lebenden Sarg“ der Bestattung Wien gehört dies nun der Vergangenheit an. Der lebende Sarg besteht aus Pilzen. Der eigentliche Pilz besteht aus dem Myzel, dem Pilzgeflecht. Die Myzelien werden in einer geeigneten Passform in sieben Tagen ohne Einsatz von Wärme, Strom oder Licht herangezüchtet. Sobald der Sarg seine Grundform erreicht hat, wird das Geflecht getrocknet. Das Wachstum des Pilzes wird dabei unterbrochen und er wird in eine Art Ruhestand versetzt. Es entsteht bei der Produktion des Sarges kein CO2. Nach der Beisetzung belebt das Grundwasser wieder das Myzelgeflecht und Verstorbene kommen so wieder in den Kreislauf der Natur zurück. Die Einbettung besteht aus grünem Moos.

Künftig sollen Särge auch in Österreich wachsen, um so eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen. Zudem wird, im Vergleich zu herkömmlichen Särgen, der wertvolle Rohstoff Holz eingespart. Die Bestattung Wien vertreibt den Sarg des Herstellers Loop Biotech exklusiv. Der Sarg kann nicht nur in speziellen Naturbestattungsanlagen eingesetzt werden, sondern auch für herkömmliche Erdbestattungen.

Naturbestattung in Wien

Auch bei den Friedhöfen Wien gibt es nachhaltige Neuerungen: In einem neu geschaffenen Bereich auf dem Wiener Zentralfriedhof können nun erstmalig Särge in einer Naturbestattungsanlage beigesetzt werden. Das naturbelassene Areal und das Konzept sind einzigartig. Ausschließlich Bio-Särge sind hier erlaubt, ohne jegliche Metalle oder Synthetik-Einsätze. Auch Bio-Urnen sind in der neuen Gruppe erwünscht. Mit dem Wiener Naturgrab kommt man dem Wunsch vieler Menschen nach, vollkommen nachhaltig beigesetzt zu werden. Es handelt sich um das europaweit einzige Friedhofsareal dieser Art.

Die Nähe zur Natur wird im gesamten Areal großgeschrieben. Weitläufige Wiesenflächen, Sträucher, Bodendecker und eine Totholzecke neben dem Gedenkplatz bieten Insekten Unterschlupf und werden so zum wertvollen Lebensraum. An der Totholzecke können zu Gedenktagen Blumen angebracht werden. Eine Erinnerungsbox lädt zum Hinterlassen von Nachrichten an die Verstorbenen ein. Als Orte der Erholung und der Natur sind die grünen Flächen der Friedhöfe Wien mehr als nur Begräbnisstätte und damit wesentlich für das Klima der Stadt.

Bürger*inennsolarkraftwerk am Zentralfriedhof

Am Areal des Wiener Zentralfriedhofs befindet sich außerdem seit Frühjahr 2022 eines unserer Bürger*innensolarkraftwerke, wo klimafreundlicher Sonnenstrom für umgerechnet 570 Haushalte produziert wird. Auf einer digitalen Plattform ist die aktuelle Sonnenstromproduktion und damit der Status zur Vergütung jederzeit einsehbar. Jedem Sonnenpaket wird fiktiv ein PV-Modul mit einer Leistung von 300 Watt-Peak zugeordnet und die Jahresproduktion abgerechnet. Damit ermöglichen wir Bürger*innen, sich finanziell an Photovoltaik-Anlagen zu beteiligen. Diese profitieren wiederum von einer sicheren Geldanlage und günstigen Stromtarifen, während sie den Ausbau erneuerbarer Energie in der Stadt fördern und CO2-Reduktionen erzielen.

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    Florian Keusch

    Kommunikation

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    Julia Stering

    Pressesprecherin