Aktuelle Gasversorgungslage in Österreich: Sicher durch den Winter – und klare Weichen für die Zukunft

Alexander Wallisch

Eine stabile Gasversorgung ist für Österreich generell von hoher Bedeutung – und in der kalten Jahreszeit von besonderem Gewicht. Das gilt für Haushalte ebenso wie für die Industrie, die Kraft-Wärme-Kopplung und die Fernwärmeerzeugung. Gleichzeitig verdeutlichen Marktentwicklungen und geopolitische Veränderungen, wie wichtig der zügige Aufbau erneuerbarer Gase für langfristige Versorgungssicherheit und eine nachhaltige Energiezukunft ist.

Gelbe Gas-Dispatcher© Wiener Netze

Ausgangslage und Bedarf: Ein stabiler Start in die Heizsaison

Die Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) ist die gesetzlich vorgesehene Stelle, die den umfassenden Überblick über Gasflüsse, Speicherstände und die Versorgungssituation im österreichischen Marktgebiet hat.

Der aktuelle Lagebericht (4. Dezember 2025) bestätigt eine stabile Versorgungslage für Österreich. Die Versorgung der Endkund*innen funktioniert ohne Störungen, die Mengenanmeldungen werden vollständig physisch erfüllt, und die Märkte verfügen über ausreichende Liquidität.

Die Gasversorgung erfolgt weiterhin aus drei Quellen: Hauptsächlich aus Importen, die über Deutschland nach Österreich fließen, Speicherentnahmen und inländischer Produktion. Die Exporte fließen nach Ungarn, Slowenien, Italien und in die Slowakei.

Die Großhandelspreise an den europäischen Märkten bewegen sich aktuell bei rund 31 €/MWh, was eine moderate und stabile Marktlage widerspiegelt. Auch der Monatsindex des ÖGPI 2.0 der AEA spiegelt diese Entwicklung wider und ist seit September auf einem gleichbleibendem niedrigeren Niveau als noch vor einem Jahr.

Für die Versorgungssicherheit spielen im Fall von Einschränkungen insbesondere die Speicher eine zentrale Rolle. Die österreichischen Gasspeicher verfügen per 4. Dezember 2025 über 75,9 TWh gespeichertes Gas. Dies entspricht 75,3 % der gesamten nutzbaren Speicherkapazität von 100,8 TWh. Der Speicherstand enthält auch 20 TWh strategische Gasreserve, die gemäß § 18a Gaswirtschaftsgesetz ausschließlich für Krisensituationen vorgesehen ist.

Die Speicherstände sind auch Ende November/Anfang Dezember im Vergleich zum historischen Verlauf solide im oberen Mittelfeld der Jahre 2013–2025. Die leicht sinkenden Füllstände entsprechen dem saisonüblichen Verbrauchsverhalten.

Mit dieser Speicherbasis ist Österreich selbst bei temporär reduzierten Importströmen, marktseitigen Schwankungen oder erhöhtem Verbrauch in Kälteperioden gut abgesichert.

Damit ist klar: Die unmittelbare Winterversorgung ist gesichert. Dennoch bleibt die Lage sensibel – die Versorgungssicherheit hängt von der Funktionsfähigkeit der Infrastruktur und der internationalen Spotmärkte ab.

Herausforderungen und strukturelle Abhängigkeiten

Trotz dieser stabilen Ausgangslage bestehen strukturelle Herausforderungen fort. Österreich wird aktuell hauptsächlich über Deutschland mit Erdgas versorgt. Seit dem Auslaufen des russischen Transitvertrags über die Ukraine werden alle relevanten Erdgasmengen über westeuropäische Netzkorridore in das österreichische System eingespeist.

Diese Abhängigkeit von Importkorridoren in den Nachbarländern bedeutet, dass internationale Marktverwerfungen oder infrastrukturelle Störungen weiterhin ein Risiko darstellen können.

Insgesamt zeigt sich: Die Versorgung ist auch dank einer guten Leitungsinfrastruktur stabil, aber nicht risikofrei. Kurzfristig sind weitere Verstärkungen der Importrouten aus dem Norden und dem Süden wichtig. Mittelfristig wird es aber immer wichtiger auch bei der Aufbringung der Gase Anpassungen vorzunehmen.

Biomethan und Wasserstoff als Zukunftsperspektiven

Um die Energieversorgung langfristig widerstandsfähig und klimaverträglich zu gestalten, ist der Ausbau erneuerbarer Gase unverzichtbar. Biomethan ist vollständig mit dem bestehenden Gasnetz kompatibel und kann in der bestehenden Infrastruktur genutzt werden. Jede zusätzliche Einspeisung reduziert Importabhängigkeiten und stärkt die österreichische Versorgungssicherheit. Derzeit liegen die Produktionskosten für erneuerbare Gase noch über den Marktpreisen für Erdgas. Für einen raschen und verlässlichen Ausbau braucht es daher geeignete politische und regulatorische Rahmenbedingungen – etwa langfristige Investitionssicherheiten, Fördermechanismen oder Marktanreize. Erst durch solche stabilen Rahmenbedingungen können erneuerbare Gase ihr volles Potenzial entfalten und einen breiten Beitrag zu Versorgungssicherheit und Klimaneutralität leisten.

Wasserstoff wird ebenfalls eine zentrale Rolle für die Zukunft des Energiesystems spielen – sowohl für industrielle Anwendungen als auch für gesicherte Kapazitäten der klimaneutralen Stromerzeugung und Wärmeversorgung. Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur, die Weiterentwicklung von Speichertechnologien und die Nutzung inländischer und ausländischer Wasserstoffpotentiale sind entscheidende Schritte, die bereits in mehreren internationalen und österreichischen Projekten getestet werden.

Absicherung heute, Transformation für morgen

Die aktuelle Gasversorgungslage ist stabil und gut abgesichert. Die Speicherstände liegen auf hohem Niveau, die Importströme funktionieren zuverlässig, und die Versorgung der Endkund*innen ist laut AGGM gewährleistet. Gleichzeitig zeigt sich deutlich, dass eine nachhaltige und geopolitisch unabhängige Energieversorgung nur mit einem entschlossenen Ausbau erneuerbarer Gase zu erreichen ist.

Für Wien Energie bedeutet dies, die kurzfristige Versorgungssicherheit weiterhin konsequent abzusichern und gleichzeitig den Transformationspfad entschlossen voranzutreiben. Biomethan und Wasserstoff werden zu zentralen Säulen eines klimaneutralen und resilienten Energiesystems – für Wien, für Österreich und für eine sichere Energiezukunft.