Antoine Ferraris

Future-Proofing: Energieszenarien in einer geopolitisch volatilen Zeit

22.06.2026

Das 15. Energiewirtschaftliche Kolloquium von Wien Energie und der AAEE ist der Frage nachgegangen, welche Schlussfolgerungen sich aus heutigen Szenarien noch tätigen lassen und wie aussagekräftig sie in einer geopolitisch volatilen Zeit sind.

null© Wien Energie

Szenarien konsolidieren: eine interdisziplinäre Aufgabe für die Wissenschaft

In einer eindrucksvollen Key-Note präsentierte Daniel Huppmann (IIASA) die globalen Trends der Systemanalysen im Kontext der aktuellen klimawissenschaftlichen Diskussionen. Herausforderungen bestehen insbesondere in der Einschätzung und Bewertung der oft auf Grundlage unrealistischer technologischer Annahmen entwickelten Energieszenarien. Ein transparenter, offener Zugang mit Daten, Annahmen und Modellen ist daher dringend notwendig. Eine hohe Anzahl an wissenschaftlichen Szenarien ist erforderlich, um Streufelder herauszuarbeiten und möglichst viele Realitäten abzubilden. Die IIASA prüft und konsolidiert derzeit in einem Forschungsprojekt “Scenario Compass Initiative” 1.600 Energieszenarien auf Plausibilität, die, je nach Ergebnis, in den Bericht einfließen.

Welche Szenarien sind heute noch tragbar?

In der anschließenden Diskussion wurde hinterfragt, welche Szenarien heute noch relevant sind und was diese noch leisten können. Unterschiedliche Anwendungsfälle erfordern andere Granularitäten der Daten. Szenarien können Perspektiven aufzeigen, sind aber keine Prognosen. Mit Projekten wie dem Scenario Explorer der IIASA oder dem Projekt zusammEN2040 der APG wird wichtige Grundlagenarbeit geleistet, um ein gemeinsames Verständnis für die Energiezukunft aufzubauen. Die Einbindung möglichst diverser und repräsentativer Stakeholder, volle Transparenz in Annahmen und der anschließenden Publikation sind essenziell, um die Politik über regulatorische Handlungsoptionen zu informieren und langfristige Planungssicherheit zu schaffen.

“No Regret” trotz Planungsunsicherheit

Unsicherheit wird bei der Szenarien-Entwicklung bereits berücksichtigt und kann gut modelliert werden. Besonders interessant sind sogenannte “No-Regret Maßnahmen”: Handlungen, die einen gesellschaftlichen Vorteil schaffen, selbst wenn das ursprünglichen Ziel letztendlich nicht erreicht wird. Dadurch lassen sich qualifizierte Entscheidungen auch unter großen Unsicherheiten treffen. In der Diskussion hat sich deutlich gezeigt, dass die sektorübergreifende Elektrifizierung, die Ausweitung der Fernwärme und die Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien, insbesondere der Windenergie, zu diesen Maßnahmen gehören.

Was können wir für die Zukunft lernen?

Die Diskussion hat die Bedeutung von Szenarien als Grundlage für langfristige Entscheidungen aufgezeigt, die unser Energiesystem über viele Jahre prägen werden. Gerade für Investitionsentscheidungen benötigt es robuste Szenarien, welche auch die entsprechenden Erwartungswerte spiegeln. Ein positiver Ansatz kann dabei helfen, Szenarien als Planungsinstrument zu nutzen, um auch die erzeugte Wertschöpfung zu berücksichtigen. Umso wichtiger ist es, dabei einen integrierten Ansatz zu berücksichtigen, wie eine ganzheitliche Kraftwerkstrategie, die Netzausbau, Erneuerbare und Versorgungssicherheit gemeinsam denkt.

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