Eine Machbarkeitsstudie zeigt, wie ein CO₂-Sammel- und Transportnetz in Österreich die „hard to abate“-Industrie am Weg zur Dekarbonisierung unterstützen und so zur Klimaneutralität beitragen kann. Erhoben wurden CO₂-Quellen und -Senken, mögliche Routen und Wirtschaftlichkeitsszenarien. Was sind die zentralen Ergebnisse?

Im Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) untersucht die Machbarkeitsstudie die Realisierbarkeit eines österreichweiten CO₂-Transportnetzes. Ziel ist es, die Emissionsreduktion schwer zu dekarbonisierender („hard-to-abate“) Industrien zu unterstützen und einen wesentlichen Beitrag zur nationalen Klimaneutralität zu leisten.
Das CO₂-Netzwerk soll langfristig die Abscheidung und Speicherung von CO₂ (CCS), die Nutzung von CO₂ in industriellen Prozessen (CCU) und die dauerhafte Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre (CDR) bzw. aus Prozessströmen ermöglichen. Die Studie umfasst eine Analyse von CO₂-Quellen und -Senken, Netzkonzepte, Kostenabschätzungen und einen internationalen Vergleich.
In Österreich wurden über 165 große CO₂-Punktquellen identifiziert. Dazu gehören industrielle Emissionen aus der Zement-, Kalk- und Stahlindustrie, Müllverbrennungsanlagen sowie biogene Quellen wie Biomassekraftwerke, die Papier- und Zellstoffindustrie und der biogene Anteil von Müllverbrennungsanlagen. Die gesamten identifizierten biogenen Emissionen betragen jährlich ca. 10-13 Mt. CO₂.
Biogenes CO2 als Schlüsselressource
Biogenes CO₂ wird als besonders wichtig für die Erreichung der Klimaziele hervorgehoben. Wenn man es dauerhaft im Untergrund speichert, entzieht man der Atmosphäre CO₂ und kann dadurch unvermeidbare Emissionen kompensieren. Außerdem kann biogenes CO₂ als klimaneutraler Kohlenstoff für CCU-Anwendungen dienen. Österreichs Biomasseindustrie und biogene Punktquellen wie beispielsweise Müllverbrennungsanlagen können jährlich bis zu 13 Mt. biogenes CO₂ abscheiden und zur Kompensation unvermeidbare Emissionen beitragen.
Begrenzte Speicherkapazitäten
Das Wissen über geologische CO₂-Speicherpotenziale in Österreich ist begrenzt und grobe Schätzungen dienen bloß als erste Anhaltspunkte: Praktisch nutzbare Kapazitäten werden auf 118 Mt. geschätzt, mit einer Einspeicherungsrate von maximal 5,9 Mt. CO₂ pro Jahr. Ehemalige Kohlenwasserstofflagerstätten bieten potenziell geeignete Möglichkeiten, doch ihre Nutzbarkeit wird frühestens ab den 2030er Jahren erwartet. Bis dahin kann CCS zu den nationalen Klimazielen beitragen, wenn das CO₂ in Speicherregionen wie die Nordsee oder das Mittelmeer verbracht wird.
Die Studie analysiert vier Szenarien für den Aufbau eines CO₂-Transportnetzes, das schrittweise realisiert werden soll.
Die ersten Pipelines könnten ab 2030 in Betrieb gehen, mit einer grenzüberschreitenden Anbindung bis 2033. Die grenzüberschreitenden Anbindungen hängen wesentlich von Ausbauschritten der Nachbarstaaten ab.
Die ersten Pipelines könnten ab 2030 in Betrieb gehen, mit einer grenzüberschreitenden Anbindung bis 2033.

Die Grafik vergleicht die Kosten entlang der gesamten CO₂-Transport- und Speicherketten in vier Szenarien (NS1-NS4) für die Jahre 2040/2050. Die Gesamtkosten betragen etwa 200 bis 250 €/tCO₂, wobei der größte Anteil durch die CO₂-Abscheidung mit rund 100 €/tCO₂ entsteht. CAPEX und OPEX für das Transportnetz (Investitions- und Betriebskosten für Pipelines) liegen jeweils zwischen 20 und 30 €/tCO₂. Stromkosten machen etwa 15 bis 25 €/tCO₂ aus. Der Anteil von Verdichtern, Verflüssigern und Boostern, aufgeteilt in CAPEX und OPEX, variiert insgesamt zwischen 30-50 €/tCO₂. Die Kosten für Transport und Speicherung offshore betragen etwa 50-80 €/tCO₂, während die Speicherung in Österreich weniger als 20 €/tCO₂ ausmacht. Alle Szenarien zeigen eine ähnliche Kostenstruktur. Die Errichtung des Netzes wird insgesamt mit Investitionen (CAPEX) von 12–18 Milliarden Euro veranschlagt. Die Betriebskosten (OPEX) werden mit 1,2–3,5 Milliarden Euro jährlich angegeben.
Ein wirtschaftlich gut geplantes Netz reduziert Kosten durch optimierte Trassen und Synergien mit bestehenden Infrastrukturen. Der Anteil der Transportinfrastruktur an den Kosten der CCS-Kette ist vergleichsweise gering und zeigt die Effizienz eines CO₂-Rohrleitungsnetzes im Vergleich zu anderen Transportmodalitäten.
Das geplante Transportnetz verfolgt zwei zentrale Ziele:
Zusätzlich schafft das Netz eine Grundlage für den Ausbau der CCU-Technologien. Hierdurch könnten synthetische Kraftstoffe und Chemikalien nachhaltig produziert werden.
Die Studie hebt folgende Handlungsempfehlungen hervor:
Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass ein CO₂-Sammel- und Transportnetz technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Es ist eine Schlüsseltechnologie, um schwer dekarbonisierbare Sektoren (hard-to-abate) zu transformieren und Klimaneutralität zu erreichen. Der schrittweise Aufbau, kombiniert mit internationalen Partnerschaften, schafft Planungssicherheit und ermöglicht eine nahtlose Integration in europäische Netze. Durch eine entschlossene Umsetzung kann Österreich eine führende Rolle in der globalen Klimaschutzbewegung einnehmen.

Abteilung für allgemeine Klimapolitik, damals BMK